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Geschichte RKW
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Ein Büffel in Ingolstadt - der Rüstkranwagen RKW 16 h
 

In seiner Sitzung am 02.10.1963 hatte der Verwaltungsrat der FF Ingolstadt beschlossen, den Stadtrat zu bitten, einen 16 t-Bergungskran gemäß einem Angebot der Fa. Magirus zum Preis von 242.000,- DM zu bestellen. Zu dieser Zeit war nur ein selbstgebauter „Behelfskranwagen“ auf Fahrgestell GMC vorhanden, der aber die gestiegenen Anforderungen nicht mehr erfüllen konnte.

Auszug aus dem Beschluss:

„Begründung: Der Gebrauch eines Kranwagens besteht darin, dass wir drei Ölraffinerien im Stadt- und Landkreis Ingolstadt bereits haben, sowie eine in Vohburg und eine in Neustadt zu erwarten sind. Da im Umkreis zwischen München und Nürnberg, Regensburg und Augsburg kein schwerer Bergungskran vorhanden ist, ist es unverantwortlich, dass in einem solchen Gebiet niemand in der Lage ist, den verunglückten Fahrzeugen zu helfen.“

Nachdem Angebote bei vier Firmen (Klöckner-Humboldt-Deutz AG - Werk Magirus, Mercedes-Benz AG, Krupp-Ardelt GmbH und Coles Krane GmbH) eingeholt und ausgewertet waren, beschloss der Stadtrat in seiner Sitzung am 06.02.1964 mit einer Gegenstimme den Ankauf eines Kranwagens.

Entgegen dem Wunsch der Freiwilligen Feuerwehr wurde jedoch beschlossen, den Auftrag an die Fa. Mercedes-Benz AG/Carl Metz GmbH zu vergeben. Die Fa. Mercedes-Benz/Carl Metz hatte bis dahin nur Kranwagen mit geringerer Hubkraft gebaut. Es handelte sich somit um einen Prototyp und den ersten vollhydraulischen Kran der Fa. Metz.

Am 13.02.1964 ging der „Auftrag zur Lieferung eines Mercedes-Benz/Metz-Rüstkranwagens“ an die Daimler-Benz AG, Niederlassung München.

Auszug aus der Auftragsbestätigung:

1 Mercedes-Benz-Metz Rüstkranwagen RKW 16 h
in offener Ausführung, betsehend aus:


    1. Mercedes-Benz Diesel-Allrad-Fahrgestell
    Bauart LAK 2220, Radstand 3600 mm und 1340 mm,
    mit LKW-Fahrerhaus in Stahlblechausführung,
    Windschutzscheibe aus Verbundglas, Scheibenwaschanlage mit 2 Düsen
    2 Scheibenwischer
    2 Rückblickspiegel
    ...

    2. Metz-Rüstkranwagen-Aufbau RKW 16 h offene Ausführung
    mit Fahrgestellverkleidung in Form eines begehbaren Podiums,
    Trittbrett zum Podium,
    ölhydraulische Anlage für Aufrichten, Neigen, Schwenken nach rechts und links um 360°,
    Möglichkeit der zusätzlichen Auslegerverlängerung um etwa 2 m,
    Kranflaschenfangvorrichtung auf der vorderen Stoßstange
    Spillwinde am Fahrzeugende eingebaut, mit Spillseil und Aufspultrommel mit Umlenk-
    und Führungsrollen zum Zug nach vorne, Zugkraft 15 to.
    hinterer Kranausleger für Abschlepp- und Lastentransport bis 5 to.
    ...

 

Am 01.04.1966 war es dann endlich soweit und eine Delegation der Freiw . Feuerwehr Ingolstadt konnte den Rüstkranwagen RKW 16 h bei der Fa. Carl Metz in Karlsruhe in Empfang nehmen.

Bereits werkseitig hatte der RKW die Bezeichnung „Büffel“ auf die Motorhaube bekommen.

 

 


Erprobung 1966
 

Bei der FF Ingolstadt war dieses imposante Fahrzeug bis 1987 im Einsatz und wurde dann durch einen modernen und leistungsfähigeren Feuerwehrkranwagen FwK 45 abgelöst.


Baumfällarbeiten im Kavalier Hepp 1968


Busbergung Barthelmarkt Oberstimm 1974


Hallenbad “Mitte” 1977: Anlieferung der Dieselaggregate

Nach seiner Außerdienststellung wurde der RKW 16 an die Freiwillige Feuerwehr Diemelstadt-Hesperinghausen verkauft, die ihn jedoch nur kurze Zeit in Gebrauch hatte. Danach kam er zu einem privaten Bergeunternehmer, die Fa. Hermann Schiffmann.

Nach Einführung der Berufsfeuerwehr Ingolstadt 1993, wurde bereits im Herbst des selben Jahres durch den stv. Amtsleiter Kontakt zu Herrn Schiffmann aufgenommen um in Erfahrung zu bringen, ob der Kranwagen noch vorhanden und evtl. ein Rückkauf zu einem späteren Zeitpunkt möglich sei.

Wieder vergingen einige Jahre, bis sich im Jahr 2000 das ehrenamtliche Restaurierungsteam bildete und mit der Restaurierung der durch das Kulturamt zurückgekauften DL 22 begann.

Bei Recherchen in Archivunterlagen stieß man u. a. auch auf den ehemaligen Rüstkranwagen und schnell kam wieder die Idee auf, dieses herausragende Objekt der Feuerwehrtechnikgeschichte zurück nach Ingolstadt zu holen. Erneut wurde Kontakt zu Herrn Schiffmann gesucht und bereits am 26.10.2000 konnte der „Büffel“ durch eine Delegation aus Ingolstadt in Augenschein genommen werden.

Mit der wohlwollenden Zusage seines Besitzers, sich auch weiterhin um den Erhalt und die pflegliche Behandlung des Kranwagens zu bemühen, trat man die Heimreise an und war sich einig, dass dieses Unikat nach Ingolstadt zurück geholt werden muss! Hatte Herr Schiffmann doch zugesagt, den RKW in „einigen Jahren“ wieder abzugeben!

Durch das ehrenamtliche Restaurierungsteam wurde der Kontakt weiter gepflegt und so konnten wir Herrn und Frau Schiffmann am 22.06.2007 bei der Eröffnung der Ausstellung „FEUER AUS! Das Ingolstädter Feuerlöschwesen im Wandel der Zeit“ als Gäste begrüßen. Beeindruckt durch die Ausstellung und die an den Exponaten geleistete Restaurierungsarbeit, teilte Herr Schiffmann mit, dass er sich nun „bald“ vom Kranwagen trennen würde und wir uns sicher sein könnten, dass er – soweit noch Interesse besteht – ausschließlich nach Ingolstadt zurückverkauft wird!

Nach einigen Telefonaten im Frühjahr 2009 reiste eine Abordnung des Restaurierungsteams im Juli erneut nach Hessen um den „Büffel“ zu besichtigen.

Bei diesem Besuch wurde man sich schnell einig und so konnte der Rüstkranwagen RKW 16 h im September 2009 nach 22 Jahren zurück nach Ingolstadt geholt und in die Historische Fahrzeugsammlung, Fachbereich Feuerwehrtechnik eingereiht werden!

 

 

 


Fahrzeugdurchsicht am 19.09.2009


“Auf geht´s nach Hause!”
Abfahrt am 20.09.2009, 08:45 Uhr

 


“Endlich wieder zu Hause!”
Ankunft im Depot um 18:00 Uhr

 

 

 

Der Rückkauf dieser einmaligen Rarität wurde ausschließlich aus Mitteln einer dafür durchgeführten Spendenaktion finanziert
 


Offizielle Schlüsselübergabe am 29.09.2009 auf dem Rathausplatz im Kreise der Spender.
(v.l. Herr Orth, Herr Mayer, Herr Jenisch, Herr OB Dr. Lehmann, Herr Steck und Herr Springl. Nicht auf dem Bild: Herr Dr. Winkler)